Wandersegelflug – die etwas andere Art zu Reisen

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Anfang Juni machte sich unser Vereinsmitglied Michael Roche zusammen mit Steffen Göttler mit unserem Duo Discus auf, um drei Tage lang mit dem guten Wetter durch Deutschland zu fliegen. Die beiden kennen sich bereits gut aus ihrer gemeinsamen Zeit in der Nationalmannschaft. Dieses Mal wollten sie einmal ganz ohne das übliche Ziel wieder daheim zu landen auf Streckenflug gehen. Hier war der Weg das Ziel.

2015-Wandersegelflug Tag 1Zunächst wurde der Duo YX beladen: Zelt, Luftmatratzen, Schafsäcke, Bezüge, Erdanker zum Verzurren, Essen und das alles bei dem sehr begrenzten Stauraum eines Segelflugzeugs. Glücklicherweise verfügt unser Duo über einen vorbereiteten Motorkasten, der für Bezüge und Schlafsäcke einen optimalen Platz bot. Nach dem beeindruckenden Schlepp mit dem neuen Schlepp-UL, der Turbo-Savage boten sich nach dem Ausklinken bereits um 11 Uhr hervorragende Segelflugbedingungen. Einen großen Dank an Oliver, Fabian, Norman und Piddy für die Hilfe. Da das Wetter im Süden Deutschlands an dem Tag ab dem Sauerland eher mäßig angekündigt war, endschieden wir uns vorab eher einen Richtung Norden/Nordosten zu fliegen. Ziel für diesen Tag sollte das etwa 250km entfernt liegende Wilsche bei Braunschweig sein. Zum umfliegen der auf dem Weg liegenden Lufträume bei Dortmund, Münster, Bremen und Hannover und zur Verlängerung der Wertungsstrecke entschieden wir uns dem Wetter Richtung Hamburg zu folgen. Der Gegenwind betrug dabei teilweise bis zu 20 km/h und es taten sich zeitweilig einige Aufreihungen auf. Die Basishöhe betrug 1300-1500 m bei Steigwerten von 1-2 m/s was ausreichte um im flachen Land gut vorwärts zu kommen. Am Ende des Flugtages wurde das Wetter sogar noch besser mit Steigwerten von 2-3 m/s,  was uns zeigte dass im Nord Osten Deutschland wohl das beste Gebiet des Tages war und auch für die nächsten Tage bleiben sollte – am Ende standen 554km auf der Uhr.
Zur Übernachtung am Flugplatz gab es einen Schlafraum. Zudem gab es nette Gesellschaft der am Flugplatz ansässigen Segelflieger mit denen wir abends zusammen Essen gingen.

 

2015-Wandersegelflug Tag 2Morgens wurde uns Frühstück serviert von der netten Gesellschaft in Wilsche. Anschließend beluden wir den Duo und wurden um 10:30 Uhr geschleppt. Zunächst folgten wir dem schwachen wetter nach Westen Richtung Hodenhagen bis zur Wettergrenze. Dahinter wurden die Bedingungen merklich schlechter, also führte und der Weg zurück ins aufbauende Wetter Richtung Osten. Als mögliches Ziel für heute waren entweder wieder Wilsche oder Kyritz nordwestlich von Berlin angedacht. Wir folgten dem besser werdendem Wetter Richtung Osten und flogen nördlich von Berlin über die Mecklenburger Seenplatte bis hin zur polnischen Grenze. Wir konnten dabei die Aussicht über der schönen Landschaft nördlich Berlins genießen. Da der Rückweg eher beschwerlich wurde entschieden wir uns nach 534 km Flugstrecke in Kyritz zu Landen. Hier gab es ebenfalls einen Schlafplatz in der Halle und sogar einen Hallenstellplatz für den Duo. Abends gab es dann ein Schnitzel im Restaurant am Nahe gelegenen See. Am Flugplatz konnten wir uns anschließend noch Fahrräder ausleihen und damit die Gegend erkunden – eine sehr schöne Ecke.

 

2015-Wandersegelflug Tag 3Mittlerweile wurde das Flieger beladen zur Routine. Nach dem Frühstück wurden also schnell alle Sachen an ihren Platz gebracht und auf den Schlepper gewartet. Leichter Frust kam auf, als wir erst um 10:30 Uhr Starten konnten, da sich das Wetter an diesem Tag bereits sehr früh, gut entwickelte. Die ersten Steigwerte waren bereits mit guten 2-3m/s, sodass wir das Gefühl hatten, gut eine Stunde zu spät gestartet zu sein. Ziel des Fluges war heute wieder der Heimatflugplatz, die Rheinermark. Davor sollte es dann aber nach Hamburg und zur holländischen Grenze gehen. Nach dem ersten schnellen Teil des Fluges baute das Wetter dann schlagartig ab. Die Luftmasse hatte sich verändert. Die Wolken „zogen“ eher unzuverlässig. Obwohl sie einen mit einer sehr schönen Optik und hoher Basis von teilweise 2000m lockten, war oft ungewiss wann und wie stark das nächste Steigen sein würde. Als wir nördlich von Dortmund auf der Höhe von Hamm waren, baute das Wetter dann komplett ab und wird entschieden uns heim zu fliegen, auch so hatten wir bereits 551 km zurück gelegt.
Alles in Allem war es eine ganz neue und spannende Erfahrung. Wenn man das Wetter gut einschätzen kann und sicher oben bleibt, kommt man auch gut an das gesteckte Ziel. Wir haben viele neue, nette Leute und Gegenden kennen gelernt. Insbesondere die Gastfreundschaft der anderen Vereine war eine tolle Erfahrung. Wir können es nur jedem Empfehlen, sich einmal auf den Wandersegelflug einzulassen, immer mit der kribbelnden Ungewissheit im Gepäck, wie weit man wohl an diesem Tag kommt und wo man wohl abends landet. Einen großen Dank daher an meinen Verein und die nette Gastfreundschaft der Fliegerkameraden in Wilsche und Kyritz.

Michael Roche

 

Hier noch einmal die Flüge im OLC:

Tag 1 – 554 km – Rheinermark bis Wilsche

Tag 2 – 534 km – Wilsche bis Kyritz

Tag 3 – 551 km – Kyritz bis Rheinermark