Die Lucky Lady fliegt wieder – Grundüberholung einer Piper Super Cub

eingetragen in: Blog | 0

Ein Flugzeug, Drei Männer, ein Projekt – unzählige Arbeitsstunden, endlose Tage, Abende und Nächte in der Werkstatt, mühsame Originalersatzteilsuche und eine riesen Portion Durchhaltevermögen – alles für den Traum vom eigenen, restaurierten Oldtimer-Flugzeug. Nun fliegt sie wieder, im neuen Kleid, wie aus dem Ei gepellt und technisch wie ein werksneues Flugzeug: Die D-EMUM – eine Piper PA-18 Super Cub mit 180 PS – die „Lucky Lady“:

Angefangen hat alles Herbst 2013 als sich unser Verein entschied, sich von seiner altgedienten Schleppmaschine zu trennen. Der Wehmut bei den Motorflugpiloten war groß, denn viele hatten bereits etliche Stunden auf der PA 18 geflogen – die D-EMUM war das in die Jahre gekommene, treue Arbeitspferd des Vereins und bedurfte daher auch einiger Pflege. Darauf hin schlossen sich drei unserer Mitglieder zusammen, Marco Jacob mit Vater Rüdiger und Holger Schröder. Anfangs nur mit dem Plan den Motor und die Lackierung zu erneuern, aber bald war klar: „Keine halben Sachen! Wenn schon, dann auch richtig!“ – geboren war das Großprojekt das Flugzeug von grundauf zu überholen – ein zweites Leben für die alte Dame, womit gleichzeitig auch der neue Name feststand: „Lucky Lady“

Keine halben Sachen! Wenn schon, dann auch richtig!

Seit 1938 kennt die Fliegerwelt die gelbe Piper Cub, später ab 1949 gesellte sich die stärker motorisierte und verbesserte PA-18 Super Cub zur Familie. In den verschiedenen Baureihen wurden über 40.000 Flugzeuge von der Firma Piper Aircraft Corporation gebaut. Ursprünglich als militärisches Schul- und Aufklärungsflugzeug gedacht, zeichnete sie sich durch gutmütige Flugeiegenschaften und kurze Start- und Landestrecken auch auf unbefestigten Pisten aus – kein Wunder also, dass sich dieser Flugzeugtyp über die Jahre hin zu einem beliebten Muster für die verschiedensten Einsatzmöglichkeiten auch im zivilen Bereich entpuppte, vom Buschflieger mit Ballonreifen oder Skiern, zum leichten Agrarflugzeug bis hin zur soliden Schleppmaschine für viele Segelflugvereine.

Die D-EMUM wurde 1977 gebaut und als Vorführflugzeug für Deutschland vom Verein übernommen. Über 5.000 Flugstunden und mehr als 30.000 Starts- und Landungen hatte die „Lucky Lady“ bereits vor der Überholung im Flugbuch stehen, als die Drei sie 2013 kauften. Nach den ersten Planungen ging es für Marco, Rüdiger und Holger ans Eingemachte. Der Motorblock wurde ausgebaut und von einem Luftfahrttechnischen Betrieb komplett überholt, die gesamte Bespannung und Verkleidung entfernt, ja wirklich alles bis zur letzten Schraube ausgebaut – bis das einst rot-weiße Flugzeug nur noch in Rohform aus Streben, Spanten und Rippen dort stand. Schon bald musste im vereinseigenen Hallen- und Werkstattbereich, den die Drei nutzen konnten, ein gut durchdachtes Aufbewahrungssystem her. Es galt viele Stellen des Rumpfes und der Streben auf Korrosion zu überprüfen, einige Flügelrippen wurden erneuert und der Rumpf wurde zum Sandstrahlen weggebracht.

Die Liste der verschiedenen Arbeiten der Drei ist ellenlang. „Teilweise war es gar nicht so einfach, die korrekten Ersatzteile in Deutschland zu bekommen, vieles musste extra aus den USA bestellt und eingeflogen werden“, erzählt Rüdiger. So kam es auch, dass das ganze Projekt in Verzug geriet, als eine nachbestellte Originalrippe bereits beim Öffnen des Paketes sichtlich in Mitleidenschaft gezogen war. Denn ohne diese eine Rippe konnte die Tragfläche nicht bespannt und lackiert werden. Letztendlich gingen zwei ganze Monate ins Land, bis der Transportschaden geklärt und das neue Teil seinen Weg über den großen Teich gefunden hatte.

Dabei hatten die Drei nie den Gedanken das Projekt wirklich zu unterbrechen, „das Durchhalten und die Lackierung waren aber die größten Herausforderungen für uns“, sagt Marco. Über vier Monate stand er tagtäglich in der Lackierkabine des Vereins. Es galt alle Metallteile mit einem Primer zu versehen und zu lackieren. Die gesamte Bespannung wurde sechs mal mit Grundierung, sechs mal mit UV-Schutz besprüht, bis anschließend die 3-farbige Endlackierung folgte. Anzeichnen, Abkleben, Lackieren und das immer und immer wieder. Die Bilanz, über 150 pulverbeschichtete Einzelteile und 130 lackierte Komponenten.

Am Ende war so gut wie alles neu, von der Kraftstoffleitung bis zur Dichtung, von der Verkabelung bis zu den Instrumenten, vom Brandschott bis zum Spornrad. Begeistert standen die Vereinskollegen bereits vor dem Erstflug vor dem Resultat. Auch im Cockpit war nun alles schick und neu. Neu an Bord auch ein sogenanntes PowerFlarm mit ADS-B Transponder, mit dem das Flugzeug sowohl auf den Displays von Lotsen und Airlinern auftaucht, als auch andere Flugzeuge und Segelflugzeuge, die das Kollisionswarnsystem FLARM installiert haben auf einem extra Display anzuzeigen und vor ihnen zu warnen.

Im Dezember 2014, also nach lediglich etwas über einem Jahr intensiver Arbeit, konnte an einem freundlichen Wintertag der erste Motor-Standlauf getätigt werden. Anfang März 2015 dann, kam der so lang ersehnte große Tag: Mit den ersten Sonnenstrahlen des neuen Jahres, hob die „Lucky Lady“ vor strahlend-blauem Himmel und mit Marco am Steuer zum ersten Mal in neuem Gewand zu Ihrem „Jungfernflug“ ab. Begleitet von den neugierigen Blicken vieler Vereinskameraden und natürlich Holger, Rüdiger sowie Mutter und Ehefrau Silvia, die ihre beiden Flugzeugrestaurateure nun wohl wieder etwas öfter zu Gesicht bekommen dürfte.

Alle Sorgen werden beim ersten Gas geben und Abheben verworfen, da bist Du einfach nur noch glücklich!

Bleibt am Ende die Frage, wie sich das anfühlt, das erste Mal im eigenen, komplett selbst überholten Flugzeug abzuheben? Die Drei strahlen bis über beide Ohren. „Am Anfang fragst Du Dich, ob Du auch alles richtig gemacht hast, ob auch alles gut geht. Ich hatte tierisch Angst, beim Erstflug irgendetwas zu verbiegen“, sagt Marco. „Aber alle Sorgen werden beim ersten Gas geben und Abheben verworfen, da bist Du einfach nur noch glücklich!“ Im Anschluss an die erste, bilderbuchreife Landung wurde die „neue“ D-EMUM dann noch offiziell auf den Namen „Lucky Lady“ getauft.

Mehr als 5.500 Arbeitsstunden haben Rüdiger, Marco und Holger aufgewendet, um diesen Oldtimer wieder flügge zu machen – mehr also, als die alte Dame vorher bereits in der Luft war. Eine Mammutaufgabe, alles für diesen einen Männertraum, vom eigenen Flugzeug. Auf die Frage hin was denn nun als nächstes Projekt auf dem Plan steht, sind sich die Drei einig und es kommt nur noch ein seufzendes und erleichtertes: „Fliegen, erst mal einfach nur Fliegen!“

In diesem Sinne wünschen wir: Always Happy Landings!