Gliding in Downunder

Gliding in Downunder

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Unser Vereinsmitglied Benjamin ist derzeit per Work and Travel in Australien unterwegs – schon so ein Abenteuer für sich, natürlich durfte aber auch ein Fliegerurlaub bei traumhaften Flugbedingungen nicht fehlen.

Über die Weihnachtsfeiertage und Neujahr konnte er so für 10 Tage an einem Segelfluglager in Tocumwal, New South Wales teilnehmen. Von diesem historischen Aerodrom ausgehend erwarteten ihn 6 faszinierende Flüge. Aber seht selbst, was er zu berichten hat:

Bevor es in die Luft ging, war allerdings der obligatorische Papierkram zu erledigen. Eine ICAO Lizenz ist in Australien nur bedingt gültig und deshalb musste ich mich erst mal bei der GFA, dem australischen Äquivalent zum DAEC, anmelden. Einher ging dies mit einer Anmeldung bei dem Geelong Gliding Club, den mir ein Bekannter vorgestellt hatte. Für Studenten kostet eine Jahresmitgliedschaft nur 75 australische Dollar. Die Anmeldung bei der GFA kostet etwa 130$ und bleibt ein Leben lang. Die GFA Mitgliedschaft hat einen besonderen Vorteil. Sie erlaubt es Mitgliedern zu Vereinspreisen bei vielen anderen Clubs zu fliegen, obwohl man nur Mitglied eines australischen Vereins ist.

Am zweiten Weihnachtsfeiertag ging es also auf zum Tocumwal Aerodrom. Vor Ort wurde mir schnell bewusst welch besonderes Fleckchen ich hier erwischt hatte.
Ingo Renner, 4 facher Weltmeister und mehrmaliger australischer Champion hatte sich hier niedergelassen und betreibt ein kleinen Campingplatz auf seinem Anwesen. So kam es, dass wir auf seinem Grundstück zelten konnten. Auch Werner Meuser, war für ein paar Tage zu Gast in Tocumwal und flog den Discus von Ingo.

Nach einem Checkflug vor Ort ließen mich die Fluglehrer alleine fliegen und ich bekam einen ersten Eindruck von der unglaublichen Freiheit, die einem Segelflieger hier präsentiert wird. Ich flog zuerst den SZD Junior 51. Ein netter Plastikbomber, ich meine natürlich Einsitzer für Flugschüler. Mein erster Überlandflug war eine 300km Ziel-Rückflug Aufgabe, welche ich auf Grund des guten Wetters auf 370 km erweiterte. Der erste Eindruck war überwältigend. Man konnte nicht einschätzen wie weit man tatsächlich sehen kann. Mit knapp 2800 Meter über Grund erreichte ich die größte Höhe des Fluges und der Horizont schien einfach endlos. Sicherlich konnte man 80km weit schauen, wenn nicht noch weiter. Die Felder, welche man am Boden sah, wirkten riesig. So täuschte der Eindruck wenn man doch einmal auf 1000 Meter über Grund herunterkam und man sich auf einmal unwohl fühlte, weil die Felder so Nah aussahen.

Allerdings ist dieses Gefühl gar nicht so falsch, da der Abstand zwischen den Aufwinden größer ist als ich es gewohnt war. Man musste mit allen Faktoren in größeren Dimensionen rechnen. So kann es sein, dass man einen für australische Verhältnisse schwachen Bart erwischt und ihn liegen lässt, weil man sich denkt ohne Sorgen etwas besseres finden zu können. Zwischen den Aufwinden herrschen aber teilweise lange Durststrecken mit starkem Sinken, welche die 1000 Meter dann schnell vernichten. Selbst in 1000 Metern Höhe sollte man sich im klaren sein, dass Häuser, Menschen und Wasser bei einer Außenlandung ein paar Stunden weit weg liegen können.

Ich entschied mich also vorsichtiger zu fliegen und nie zu weit runter zu kommen. Darüber hinaus war es auch taktisch nicht sinnvoll sehr weit runter zu gehen, da die stärksten Abschnitte im oberen Drittel der Thermik lagen. Bei dem oberen Drittel spreche ich immer noch von knapp 900 Metern.

Diese Tatsache verschaffte mir das Gefühl von großer Freiheit und Glück. Wenn ich daran dachte, wie gering die „Komfortzone“ bei einigen Überlandflügen in Deutschland war, wurde mir bewusst welche große Spielwiese sich hier einem präsentierte.

Als am Ende meines ersten Überlandfluges 370km im OLC standen war ich doch recht zufrieden. Zugegeben, unsere 70 jährige Fliegerdame vom Verein hatte in ihrer Ka6 an diesem Tag 400km erflogen und ich hatte wiedermal zu staunen an diesem Tag.

In den darauf folgenden Flügen hangelte ich mich durch einige Flugzeugmuster. Nach dem Plastikbomber, ich meine Junior, durfte ich die DG300 fliegen und der Sprung in eine andere Klasse und damit noch mehr Freiheit war getan. Ebenso Janus und Duo Discus standen mir zur Verfügung. In den Flügen im Doppelsitzer konnte ich viel lernen und mir die Umgebung ganz genau anschauen. Das kam mir bei einem Flug in der DG 300 dann auch zu Gute, da mein Computer ausfiel und ich den letzten Schenkel nach Karte und Kompass flog. Man muss sich das allerdings wie ein Blatt Papier mit 5 markanten Punkten vorstellen. Die Vegetation sieht für hunderte von Kilometern gleich aus. Es gibt ein paar große Waldgebiete, Dörfer und Flüsse, die man als Referenz nehmen kann, da hört es dann aber auch schon auf. Für das ungewohnte Auge und dann noch gegen die Sonne am Abend schauend, war es eine echte Herausforderung. Viele markante Punkte wie in Deutschland gab es hier nicht.

Es gibt einen guten Tipp den man mir Nahe legte. Die meisten Straßen verlaufen schnurgerade von West nach Ost und von Nord nach Süd. Im Bezug zur Sonne und Uhrzeit findet man schnell heraus in welche Richtung man sich bewegt. Ungewohnt ist hier allerdings, dass die Sonne im Norden entlang zieht und nicht im Süden. Auch wenn ich es nur ungern zugebe, ich hatte die Deklination vom magnetischen Kompass vergessen und wurde dadurch um mindestens 10° in die falsche Richtung gelenkt. Ich war bestimmt 15 Kilometer nördlich am Flugplatz vorbei geflogen und in den 5 Minuten in denen ich verzweifelnd nach dem Flugplatz suchte erwischte ich dann einen Punkt den ich wieder erkannte. Ich konnte somit nach Hause fliegen und erreichte den Flugplatz mit gerade ausreichender Höhe für eine Platzrunde. Lektion gelernt.

Mein absolutes Highlight war das angemeldete 500 Kilometer Dreieck in der DG 300, welches auch meinen letzten Flug im Camp darstellte. Es war ein schönes Finale und ein abenteuerlicher Flug. Der Wetterbericht hatte in den Tagen zuvor immer wieder Überentwicklungen am Nachmittag vorausgesagt. Tatsächlich entfalteten sich die Schauer nie oder waren weit von meinem Fluggebiet entfernt. Ich hatte Strecken von über 450km an den Tagen zuvor erflogen und war mit gutem Gewissen in Richtung der Überentwicklungen geflogen.

Bei meinem 500 Kilometer Dreieck sollte sich der Wetterbericht dann doch bewahrheiten und nach 2 grandiosen Schenkeln mit einem Durchschnitt von 105 km/h warf das Wetter den Anker für mich. Ich flog schon im letzten Drittel des zweiten Schenkels in regnerischen Gebieten, aber die Schauer waren nur vereinzelt und teilweise hatte ich enormes Steigen nur ein paar Kilometer von den Schauern entfernt. Ich war also 180km von meinem Zielpunkt entfernt und das Wetter machte mir vorerst einen Strich durch die Rechnung. Mit nördlichem Wind schoben sich die Schauer und nun massive Überentwicklungen durch meinen finalen Schenkel. Ich entschied mich dafür erst einmal in Richtung einer gut aussehenden Wolkenstraße im Süden zu fliegen. Schnell wurde mir klar, dass ich diese niemals erreichen könnte ohne noch einmal Höhe zu tanken. Die Thermik wurde immer schwächer und ich musste den Versuch abbrechen. Ich konnte mich in Nullschiebern in der Sonne halten und beobachtete das Wetter.

In Australien braucht man keinen Kunstflugschein. Am Ende meines Überprüfungsfluges fragte ich ob wir ein paar Figuren üben könnten. Loopings, Trudeln, Männchen und so weiter. Was für ein Spaß!

Nur einen Tag zuvor war ich an der selben Stelle gewesen und ich hatte noch den Tipp von Ingo Renner im Hinterkopf,dass das Gebiet des Marry-Flusses teilweise gute Thermik abgibt. Ich wagte es also und kämpfte mich wieder Richtung Nordosten zum Fluss. Langsam hangelte ich mich von schwachen zu stärker werden Aufwinden. Es dauerte bestimmt eine Stunde bis ich wieder auf angenehmer Höhe war und mir die Option offen lag nun die Rückseite der Schauer zu erreichen, wo ich besseres Wetter erwartete. Und tatsächlich wurde es besser und nach und nach war ich auf Endanflugshöhe angelangt. Der letzte Bart brachte mich bis auf 3000 Meter und ich war froh diese Höhe zu haben, da die letzten 40 Kilometer ein riesiges totes blaues Loch darstellten. Am Ende waren es 547km und ein erfülltesFAI Dreieck mit einem Schnitt von 85 km/h.

Am nächsten Tag regnete es und die Wettervorhersage war für die nächsten Tage auch nicht besser. Wir rüsteten unsere Flugzeuge ab und machten uns auf den Heimweg.
Dieses schöne Erlebnis wird mir noch sehr lange im Gedächtnis bleiben und ich kann jedem nach Australien reisenden Flieger nur empfehlen diese wunderbaren Bedingungen selber zu erleben.

PS: Noch ein paar Anekdoten zum Schluss. An dem besten Tag des Camps war ich übermüdet und entschied mich doppelsitzig zu fliegen. Am Abend zuvor war Jemand 150 Kilometer entfernt auf einem Acker gelandet. Er hatte Glück, dass ihn der Farmer fand. Dieser Acker war wirklich weit draußen und wir mussten sogar einige Kilometer Offroad fahren. Mitten in der Nacht rüsteten wir den Flieger ab. Von Mücken zerstochen und müde vom langen Flugtag, war der nächste Tag für mich gelaufen. Sobald ich am nächsten Tag im Flieger saß, packte mich aber die Faszination und alle Müdigkeit war verschwunden. Leider hatten wir kein Sauerstoff an Board des Duo Discus, denn an diesem Tag ging es bis auf 5000 Meter hoch, thermisch! Zu meiner Verärgerung wollte mein Copilot auch noch früh landen und nach nur 4 Stunden hatten wir mehr als 400 Kilometer gemacht und saßen am Boden mit einem kühlen Bier in der Hand. Immerhin…

Benjamin Krug